Dorschschutz

Seit einigen Wochen ist der schlechte Zustand des Dorschbestandes in der westlichen Ostsee ein in den Medien weit verbreitetes Thema. Kürzungen der Fangquote um 85% drohen der Berufsfischerei, der Angelfischerei soll die Einführung einer Fangquote drohen. Leider sind nicht alle Informationen dazu zutreffend.

Tatsächlich finden die Wissenschaftler in der westlichen Ostsee keine Dorsche des Geburtsjahrganges 2015. Unklar ist, ob es keine gibt oder ob sie sich etwa nach dem erheblichen Einstrom salz- und sauerstoffreichen Nordseewassers weiter östlich befinden. Für den Fall aber, daß dieser Jahrgang aus bislang unbekannten Gründen (zu einem großen Teil) nicht überlebt hat, müssen Maßnahmen zum Wiederaufbau des Bestandes getroffen werden. Fraglich ist nun, welche Maßnahmen gleichermaßen erfolgversprechend, durchführbar und sinnvoll sind. Nachfolgend sind die aktuell diskutierten Maßnahmen genannt, von denen der LSFV den Verzicht auf das Laichdorschangeln, die Anpassung des Mindestmaßes und die Verbesserung der Forschung unter Umständen für sinnvoll hält.

Entnahmefenster: Unter dieser Bezeichnung wird von einigen Institutionen/Personen vorgeschlagen, nicht nur kleinere Exemplare über ein Mindestmaß zu schützen (siehe unten), sondern auch Exemplare ab einer bestimmten Größe wieder zurückzusetzen. Als Begründung wird angeführt, beim Dorsch hätten ältere und damit größere Tiere eine größere Menge an Laich und diese sei qualitativ besser. Die Nachkommen hätten damit bessere Überlebenschancen. Während die Laichmenge tatsächlich mit zunehmender Größe der Elterntiere ansteigt wird die Verbesserung der Laichqualität bestritten. Schwierig ist außerdem, daß die Behörden eine Länge von etwa 70 cm als Höchstmaß in den Gespräch genannt haben. Das aber kann nur auf der Grundlage der vorgenannten Behauptungen nicht akzeptiert werden.

Fangquote: Die Einführung einer Fangquote für Angler erfüllt die Anforderungen an ein effektives Instrument zum Bestandsaufbau aus Sicht des LSFV nicht. Weder ließe sich für die Angler eine solche Quote verbindlich regeln, noch kontrollieren. Sinnlos wäre sie außerdem zusätzlich, wenn nicht alle anderen Ostseeanrainerstaaten ebenfalls diese Maßnahmen beschlössen und durchsetzten.

Forschung: Über den Dorsch, eine der Charakterarten der Ostsee, sind noch immer wesentliche Lebensumstände zu wenig bekannt. Wir unterstützen Anstrengungen der Bundesregierung und ihrer nachgeordneten Dienststellen, die Biologie und das Laichverhalten des Dorsches besser zu erforschen. Wir sind bereit, mit unseren Erkenntnissen und Daten diese Arbeiten zu unterstützen. Gleichzeitig halten wir es für wünschenswert, dass künftig die Zusammenarbeit von wissenschaftlichen Instituten mit Anglern und deren Verbänden mit dem Ziel einer soliden Datenerhebung tatsächlich realisiert wird. Dadurch wird Vertrauen erzeugt.Wir setzen bei unseren Vorschlägen voraus, dass auch andere EU-Mitgliedsstaaten diesen folgen werden. Allein nationale Maßnahmen ohne internationale Zusammenarbeit lehnen wir ab. Sie würden bei den Angelfischern kaum auf die erforderliche Akzeptanz stoßen. DAFV und LSFV sind gerne bereit, sich im Rahmen der europäischen Anglerverbände für die Realisierung der skizzierten Vorschläge einzusetzen.

Laichdorsche: Vertreter des LSFV befürworten seit Jahren, das gezielte Befischen laichender Dorsche zu unterlassen. Immer wieder finden sich in Zeitschriften und auf Werbeplakaten zu bestimmten Veranstaltungen Bilder gefangener laichbereiter Dorsche. Wir schlagen daher vor, in den Monaten Februar und März nicht mehr in Seegebieten tiefer als 20 m zu  angeln.

Mindestmaß: Mindestmaße bezwecken, daß nur Fische ab einem bestimmten Alter (hier: Geschlechtsreife) entnommen werden. Vor einer Verwertung soll jeder Dorsch durch Fortpflanzung mindestens einmalig Anteil an einer Bestandserhaltung gehabt haben. In der Berufsfischerei wurde das Mindestmaß gerade abgesenkt, weil die Betriebe keine gefangenen Fische mehr zurückwerfen dürfen und weil die Überlebensrate in der Schlepp- und Stellnetzfischerei gering ist. So sollen sinnlose Verluste vermieden werden: alles, was gefangen wurde, soll auch angelandet und verwertet werden. In der Angelfischerei hingegen ist die Überlebensrate der Dorsche wesentlich höher. Hier wird über eine Anhebung des Mindestmaßes nachgedacht, um den Fischen zukünftig mindestens zweimalig die Fortpflanzung zu ermöglichen.

Tagesfanglimit: Ebenfalls diskutiert wird die Festsetzung einer Höchstmenge an Dorschen, die täglich von Anglern entnommen werden darf. Abgesehen von den schon genannten Problemen (Kontrollmöglichkeiten, gleiche Vorschriften in anderen Ostseeanrainerstaaten) sind die Vorschläge der Behörden (2, 3 oder 5 Dorsche je Fangtag) nicht akzeptabel.