Drohendes Angelverbot in der AWZ

AWZ(Aktualisierungen sind unten angefügt)

Große Aufregung an den Küsten verursacht zur Zeit – zu recht – ein Vorhaben des Bundesumweltministeriums, sechs Seegebiete in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone, die bereits als Natura-2000-Schutzgebiete ausgewiesen sind, zusätzlich zu Naturschutzgebieten zu erklären und dort die Freizeitfischerei zu verbieten.

Wie in derartigen Verfahren üblich werden zahlreiche Behörden und Verbände als „Träger öffentlicher Belange“ angehört. Für die Interessen der Angler haben sich der Deutsche Angelfischerverband (DAFV), der Deutsche Fischereiverband (DFV), der Deutsche Nautische Verein, der Landesanglerverband Mecklenburg-Vorpommern (LAV M-V) sowie natürlich der Landessportfischerverband Schleswig-Holstein (LSFV S-H) eingesetzt.

Sie haben Stellungnahmen abgegeben, in denen die Unsinnigkeit eines derartigen Vorhabens aufgezeigt wird; dafür an dieser Stelle nur ein Beispiel: die „Kadetrinne“ ist mit ca. 55.000 Durchfahrten jährlich einer der am stärksten befahrenen Seewege Europas. Seine schiffbare Fläche ist teilweise nur 500 bis 1000 m breit, die räumliche Belastung ist also sehr intensiv. Hier führt ein Verbot einiger weniger Angelboote auf keinen Fall zu einer Verbesserung der ökologischen Situation.

Die Stellungnahme des LSFV ist hier abrufbar.

Teilweise wurde im Vorfeld von Befürwortern des Schutzgebietes vertreten, die Angler seien in der Ausschließlichen Wirtschaftszone, also außerhalb des Hoheitsgebietes, ohnehin kaum betroffen. So weit entfernt vom Ufer (genau: 12 sm von der Basislinie) würden sich nur wenige Angler aufhalten. Dieser Auffassung kann natürlich nicht gefolgt werden. Wenn eine Handlung (hier: das Angeln) tatsächlich nicht stört, dann besteht auch keine Veranlassung für ein Verbot. Wenn in dem Gebiet andere Handlungen (hier: Seeschiffahrt, Berufsfischerei) wesentlich intensiver ausgeübt werden, dann wäre es unverhältnismäßig, ausgerechnet das Angeln zu verbieten. Außerdem besteht insgesamt überhaupt kein Bedarf, diese Gebiete über den Schutzstatus eines Natura-2000-Gebietes hinaus als Naturschutzgebiet auszuweisen. Wehret den Anfängen…

Aktualisierung (22.02.2016): Der LSFV hat heute die Landtagsfraktionen mit der Bitte um Bewertung der Verbotsabsicht angeschrieben. Wir werden unseren Mitgliedern über die Antworten berichten. An der morgigen Anhörung in Hamburg wird LSFV-Präsident Peter Heldt teilnehmen.

Aktualisierung (24.02.2016): Als erste Fraktion hat gestern bereits die FDP geantwortet. Sie teilt unsere Auffassung, daß die Festlegung von Naturschutzgebieten nur nach umweltrechtlichen Kriterien mit einem erkennbaren Mehrwert für den Schutz von Tier- und Pflanzenarten auszuweisen seien. Diesen Beweis bleibe das geplante Verbot schuldig.

Bei der Anhörung wurden die Standpunkte der Angler sehr umfassend dargestellt. Hauptrednerin für die Angler war DAFV-Präsidentin Frau Dr. Happach-Kasan, die sich sehr gut für unsere Sache einsetzte. Der Bundesverband arbeitet hier federführend, da Seegebiete vor mehreren Bundesländern betroffen sind und da mit dem Bundesministerium für Umwelt eine Bundesbehörde diese Schutzgebiete bearbeitet. Weitere Redner waren DFV-Generalsekretär Dr. Peter Breckling, ein Vertreter des LAV Mecklenburg-Vorpommern sowie natürlich LSFV-Präsident Peter Heldt.

Die Vertreter des Bundesministeriums führten auf, dass es drei Faktoren seien, bei denen die Angelfischerei in den Schutzgebieten störe: die Störwirkung auf Seevögel, der störende Einfluss auf die Ökogemeinschaft Riff und die Beeinträchtigung der Nahrungsverfügbarkeit u.a. für Meeressäuger.

Auf Nachfrage, ob diese Störfaktoren durch wissenschaftliche Fakten und Daten belegbar seien, wurde ausgesagt, es sei nicht die Pflicht des Ministeriums, das mit Untersuchungen zu untermauern. Vielmehr seien die vermeintlichen Störer in der Pflicht, zu beweisen, dass ihre Handlungen im Schutzgebiet eben nicht schädlich seien.

Naturschutzverbänden wie dem NABU gingen die angedachten Einschränkungen in den Naturschutzgebieten nicht weit genug.

Aktualisierung (26.02.2016): Die CDU-Landtagsfraktion teilt vollumfänglich unsere Kritik an den geplanten Angelverboten. Sie hält die möglichen Auswirkungen auf die einheimischen Angler und die Tourismuswirtschaft für fatal. Es sei absolut nicht nachvollziehbar, in dem stark befahrenen Seegebiet ausgerechnet das Angeln als „störend“ einzuschätzen.

Die SPD-Landtagsfraktion spricht sich für die Ausweisung der sechs Seegebiete in der deutschen AWZ als Naturschutzgebiete aus. Ein gleichzeitiges Angelverbot lehnt sie jedoch ab. Sie unterstützt Umweltminister Robert Habeck und Wirtschaftsminister Reinhard Meyer in ihrem Bestreben, ein Angelverbot in diesen Gebieten zu verhindern.

Aktualisierung (11.04.2016): Zu den vorherigen Berichten ist zu ergänzen, daß heute beim Bundesamt für Naturschutz, Außenstelle Insel Vilm, ein Gespräch zwischen DAFV-Präsidentin Christel Dr. Happach-Kasan, LSFV-Geschäftsführer Robert Vollborn und BfN-Abteilungsleiter Dr. Henning von Nordheim stattgefunden hat. Dabei kam zum Ausdruck, daß das BfN erkannt hat, wie wenig die bisherigen Begründungen zu den Verordnungsentwürfen ein generelles Angelverbot tragen. Es wurde als sinnvoll erachtet, die Entwürfe hinsichtlich des Umfangs geplanter Einschränkungen zu überarbeiten. Wir haben dort jedenfalls erreicht, daß die Verbote nicht zum jetzigen Zeitpunkt in dieser abzulehnenden Fassung in Kraft treten.

Aktualisierung (03.05.2016): Selten hat ein Thema in den letzten Jahren zu einer derartigen Zusammenarbeit unterschiedlicher Gesellschaften, Gruppen und Verbände geführt, die geeint sind in dem Ziel, ein geplantes generelles Angelverbot in sechs deutschen AWZ-Gebieten zu verhindern. Und selten haben die Verbände derartig intensiv für die Interessen ihrer Mitglieder gekämpft.

Am 22.04.2016 wurde in den Räumen der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (EGOH) eine Pressekonferenz durchgeführt. Verschiedene Fischereivertreter, darunter LSFV-Geschäftsführer Robert Vollborn, Landrat Reinhard Sager (CDU) und Bundestagsabgeordneter Ingo Gädechens (CDU) erläuterten der Presse erneut die Sinnlosigkeit eines generellen Verbotes, gerade bezogen auf die in den Entwürfen genannten Schutzgüter, und die Absicht der Verbände zu weiteren Maßnahmen gegen das Vorhaben.

Aktualisierung (17.05.2016): Ein weiteres Gespräch hat heute beim Bundesumweltministerium in Berlin stattgefunden, bei dem DAFV-Präsidentin Christel Dr. Happach-Kasan und LSFV-Geschäftsführer Robert Vollborn gegen die sinnlosen Regelungen eingetreten sind. Von den Behördenvertretern wurde Entgegenkommen gezeigt und die Rücknahme des generellen Angelverbotes in Aussicht gestellt, allerdings nur auf einer sehr geringen Fläche. Vor dem Hintergrund, daß in den dortigen Seegebieten alle anderen Nutzungen weiterhin möglich sein werden, vom Sportboot bis zum Tanker, von der Windkraftanlage bis zum Seekabel, ist es weiterhin nicht akzeptabel, dann ausgerechnet das Angeln zu verbieten.

Aktualisierung (10.06.2016): Heute folgt zu den vom Bundesumweltministerium geplanten Angelverboten nun ein weiteres Gespräch. Es findet in Heiligenhafen mit dem zuständigen Staatssekretär aus dem Bundesumweltministerium, mit der EU-Abgeordneten Ulrike Rodust (SPD) und der Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn (SPD) statt. Den LSFV wird erneut Geschäftsführer Robert Vollborn vertreten.

Aktualisierung (25.07.2016): Das Bundesumweltministerium hat die bisherigen Verordnungsentwürfe überarbeitet. Das Schutzgebiet „Doggerbank“ enthält nun kein Angelverbot mehr. Es liegt aber auch so weit von der Küste entfernt, daß ohnehin kein Angler dieses Gebiet anfahren würde. Zu den weiteren Schutzgebieten hat es Reduzierungen der bisher generellen Angelverbote gegeben, aber im Wesentlichen nur die bereits beim Gespräch am 17.05.2016 genannten. Diese können so nicht akzeptiert werden, weil weiterhin alle anderen Nutzungen erlaubt sind. Unter diesen Voraussetzungen etwa das Gebiet „Kadetrinne“ mit einem Angelverbot zu belegen ist angesichts des sehr intensiven Schiffsverkehrs dort wie die Unterschutzstellung des Mittelstreifens einer Autobahn. Negativ wird von den Gegnern des Angelverbotes, einem breiten Bündnis aus Angelverbänden, Fischereiverbänden, Tourismusverbänden, Regionalverbänden, Kommunen und Kreisen, empfunden, daß die Umweltverwaltung scheinbar beliebig die Begründungen für die Angelverbote wechselt. Erst war es der Schutz von Riffstrukturen (dafür hätte man freiwillig etwa auf das Ankern in dem Gebiet oder den Einsatz schwerer Bleie und Pilker verzichten können), dann waren es die Dorsche (die aber gar nicht artenschutzrechtlich geschützt sind), dann waren es die auf Dorsche als Nahrung angewiesenen Schweinswale und Robben (die sich aber eher von Heringen und Sprotten ernähren), dann waren es rastende oder überwinternde Seevögel (die aber bestimmt nicht zwischen einem erlaubten Sportboot und einem verbotenen Angelboot unterscheiden können),…

Wir befürworten weiterhin den Abschluß Freiwilliger Vereinbarungen, so wie es auch die EU befürwortet und wie es auch der schleswig-holsteinische Umweltminister Dr. Robert Habeck mit den Küstenfischern zur Regelung bestimmter Fanggeräte durchgeführt hat. Und wir erwarten für die Regelung von Verboten nachvollziehbare und wissensbasierte Begründungen.

Leider verbreiten bestimmte Gegner des Angelns, darunter auch ein mit dem Angeln befaßtes Forum, immer wieder Falschmeldungen; entweder weil sie von der Materie wenig Ahnung haben oder weil sie eben den Anglern schaden wollen. Wer Fragen hat oder ernsthafte Informationen sucht wendet sich bitte an unmittelbar mit dem Thema befaßte Personen oder Verbände.