Zukunft der Dorschfischerei

Gute und schlechte Nachrichten zum Dorsch-Fang in der Ostsee. Es zeichnet sich ab, dass sich die europäischen Fischereiminister auf eine Anhebung der Dorsch-Quote für die westliche Ostsee einigen werden, die sowohl Berufs- als auch Freizeitfischerei betrifft. Demnach soll die Fangquote für die Berufsfischerei in 2019 um 70 Prozent steigen. Das Bag-Limit, mit dem seit 2017 auch die Freizeitfischer reglementiert werden, soll von täglich 5 auf 7 Fische erhöht werden.
Das sind allerdings nur 40 Prozent. Wäre annähernd gleichberechtigt erhöht worden, hätte das Bag-Limit auf mindestens 8 Fische pro Tag erhöht werden müssen. Ursprünglich angedacht war von der EU Kommission sogar ein sogenanntes Roll Over, was ein unverändertes Bag-Limit von 5 Fischen pro Tag und Person bedeutet hätte. Da könnten die Anglerverbände es als Teilerfolg verbuchen, dass nun wieder mehr Fische entnommen werden dürfen. Aber trotz der Erhöhung der Quoten bleibt ein schaler Beigeschmack. Und es bleibt die Erkenntnis, dass offensichtlich die Tagesfangbegrenzung für die EU-Minister ein weiterhin gewolltes Mittel ist, um die Freizeitfischerei zu beschränken.
Nach Ansicht des LSFV besteht die Gefahr, dass ohne nachvollziehbare Gründe Bag-Limits durch die EU auch für andere Fischarten und Gewässer eingeführt werden können. Der LSFV fordert deshalb weiterhin: „Wenn Freizeitfischer ihren Teil zur Schonung der Bestände beitragen, müssen für Berufs- und Freizeitfischer auch gleiche Maßstäbe angesetzt werden“, so LSFV-SH-Präsident Peter Heldt.
Aus Sicht des LSFV und des Deutschen Angelfischerverbandes (DAFV) ist es enttäuschend, dass die Festlegung eines Tagesfanglimits jetzt anscheinend unabhängig von der Entwicklung der Berufsfischerfänge stattfinden soll. „Es war und ist eine zentrale Forderung des DAFV, die Angler gleichberechtigt an der Entwicklung der Dorschbestände und den damit verbunden Fangmöglichkeiten zu beteiligen. Nun aber befürchtet der DAFV, dass den Anglern auch in den nächsten Jahren ein willkürlicher „Kuhhandel“ um die Höhe des Bag-Limits bevorsteht.
Äußerst fraglich ist dabei auch die voraussichtliche Abschaffung der bisher geltenden Schonzeiten. Die dänische Fischereiministerin Eva Kjer Hansen äusserte in einem Interview große Freude über die Abschaffung der Schonzeiten: „Wir haben erreicht, dass die Schonzeit abgeschafft wurde. Das war ein dringender Wunsch der dänischen Berufsfischer.“ Die im DAFV organisierten Angler hingegen hatten allerdings immer eine Schonung der Dorsche in der Laichzeit als einen im Gegensatz zum Bag-Limit viel besseren Beitrag zur Erholung der Bestände angesehen. Die Fische sollte man in der Laichzeit in Ruhe lassen – so sehen es die allermeisten Angler.
Unterm Strich ist die Erhöhung des Bag-Limits zwar ein Erfolg. Denkt man aber an die Gespräche, bei denen LSFV, DAFV und auch der Landesanglerverband Mecklenburg-Vorpommern verschiedene Vorschläge zum Schutz und zur Erholung des Dorschbestands gemacht hatten, fällt die Freude über die jetzige Erhöhung verhalten aus. „Wir werden weiter daran arbeiten, dass die Vorschriften für die Freizeitfischerei nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit erfolgen und nicht nach politischer Willkür. Wir wollen unseren Beitrag für den Bestandsschutz leisten. Dieser muss aber immer auf Grundlage von vernünftigen, wissenschaftlichen und nachvollziehbaren Argumenten erfolgen“, fordert Peter Heldt.