Zanderangeln auf dem Dobersdorfer See: weiche Knie pur!

Der größte meiner Angelvorsätze für dieses Jahr war eindeutig der Fang meines ersten Zanders. Ich war zwar schon seit ein paar Jahren im AV Schlesen am Dobersdorfer See, blieb allerdings bis jetzt ohne Zander – was wohl hauptsächlich an meinen doch recht seltenen Angeltagen auf diesem See lag. Also nahm ich mir vor, diese Saison so oft wie möglich mit einem der neuen Jugendboote auf den See zu fahren, um endlich meinen ersten Zander zu fangen.

Nach ein paar erfolglosen Tagen kam dann Mitte Juni ein neuer Versuch: Ich verabredete mich mit Hannes Fister aus dem Verein, der in dieser Woche schon gut gefangen hatte, gegen Abend am Steggelände in Schlesen. Da die gesamte letzte Woche das Schleppen der Schlüssel zum Erfolg war, griffen wir auch an diesem Tag auf diese Methode zurück. Wir ruderten Runde für Runde über den See, genervt von dem noch recht starken Wind und der Tatsache, dass andere Boote bereits erfolgreich zu sein schienen.

Während also die anderen fingen, hatten wir zwei Stunden lang nicht einen Fischkontakt…

Als ich Trübsal blasend am Rudern war und geistesabwesend auf den See starrte, der sich inzwischen dank des abflauenden Windes etwas beruhigt hatte, fiel mir plötzlich die recht ungewöhnliche Krümmung einer der Ruten von Hannes auf. Dieser erkannte anhand des Bisses bereits, dass es sich am anderen Ende der Schnur um einen Zander handeln musste. Schlagartig war meine Laune wieder ganz weit oben. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt weder selbst einen Zander gefangen, noch war ich jemals dabei, als ein solcher gefangen wurde. Nachdem dieser tolle Fisch von 70cm gelandet war, war die Stimmung im Boot wieder richtig gut.

Die Motivation kehrte zurück und wir ruderten weiter über den See und waren guter Dinge, dass dieser Zander nicht der letzte des Tages sein würde. Die nächsten 90 Minuten blieben zwar fischlos, wurden allerdings durch ungefähr 30 Heißluftballons, die wohl von der Kieler-Woche kamen, einer wunderschönen Abenddämmerung und großen Brassen, die sich teilweise zu hunderten an der Wasseroberfläche tummelten, zu einem schönen Bestandteil diese Tages.

Als dann gegen viertel vor Neun der zweite Einstieg auf Hannes‘ Rute kam, schlug mein Herz wieder höher. Dieser Fisch war besser, das merkte ich gleich. Nach einem intensiven Drill hatte Hannes gerade seinen tollen Zander von 80cm gelandet, als ich den letzten Wobbler aus dem Wasser holte. Völlig auf den soeben gelandeten Fisch fixiert kurbelte ich den Wobbler rein, als es plötzlich ruckte und sich meine Rute gen Wasseroberfläche krümmte. Es dauerte eine ganze Weile bis ich verstanden hatte, was los war. Währenddessen versuchte Hannes hektisch den Kescher wieder startklar zu machen, weil sich in diesem ja noch ein anderer Fisch befand.

Nach einem für mich sehr aufregenden Drill konnte Hannes auch diesen Zander erfolgreich keschern. Ich war vollkommen überwältigt. Ich hatte schon viele tolle Erlebnisse am Wasser, aber dieses war weiche Knie pur. Zwei Zander in zwei Minuten, ich hatte meinen ersten Zander gefangen und dann gleich einen 77er, ausgerechnet beim Reinholen und das alles, obwohl der Tag doch recht schlecht angefangen hatte.

Aber das sollte noch nicht alles sein! Rund zwanzig Minuten später stand Hannes Rute wieder krumm und wir hatten das Glück unseren vierten Zander an diesem Tag landen zu können. Als es in der Dämmerung zurück an den Steg ging war ich völlig überwältigt. Vier Zander an einem Tag, damit hätte ich nie gerechnet. Das war der beste Tag meines bisherigen Anglerdaseins!

Mewes Dierolf