Entwicklung und Erprobung eines praxistauglichen Verfahrens zur Vermehrung des Schlammpeitzgers

Der Landessportfischerverband Schleswig-Holstein e.V. ist ein anerkannter Naturschutzverband. Es ist für uns daher selbstverständlich, dass wir uns auch um den Erhalt gefährdeter Kleinfischarten bemühen, die keiner anglerischen Nutzung unterliegen. Von 2015 bis 2019 stand bei der Arbeit auf der Teichanlage des Verbandes in Langwedel unter anderem der Schlammpeitzger im Fokus. In einem durch die Fischereiabgabe des Landes Schleswig-Holstein geförderten Projekt galt es ein möglichst einfaches Verfahren zur Vermehrung der Art zu entwickeln.

Der bis zu etwa 30 cm lange Schlammpeitzger ist in Schleswig-Holstein „stark gefährdet“ und wird in der Roten Liste geführt. Weiterhin ist er im Anhang II der FFH-Richtlinie gelistet und zählt zu den Arten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. War der Schlammpeitzger früher noch an der schleswig-holsteinischen Westküste, in der gesamten Elbmarsch und im Travegebiet weit verbreitet, beschränkt sich das Verbreitungsgebiet heutzutage auf wenige und fast immer kleine, isolierte Restpopulationen.

Die faszinierenden Tiere sind tolerant gegenüber extremen Temperaturen und Sauerstoffmangel. Notfalls sind sie in der Lage ihren Sauerstoffbedarf durch Luftatmung zu decken. Bei anhaltendem Frost oder sehr niedrigen Wasserständen können Schlammpeitzger die kritischen Phasen tief im Sediment verborgen überdauern. So sind sie in der Lage auch Gewässerabschnitte zu nutzen, die von anderen Fischarten kaum noch besiedelt werden können. Das hohe Gefährdungspotential entsteht vor allem dadurch, dass in den typischerweise von Schlammpeitzgern besiedelten Marschengräben intensive maschinelle Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden. Bei herannahender Gefahr verbergen sich die Tiere im Schlamm oder in Pflanzenpolstern und werden häufig mit dem Aushub beziehungsweise mit gemähten Wasserpflanzen aus dem Gewässer entnommen.

Unverzichtbarer Grundstein für die gezielte Vermehrung von Schlammpeitzgern war zunächst der Aufbau eines geeigneten Elterntierbestandes. Mit Hilfe der Fischzucht Kemnitz gelang dies bereits im ersten Projektjahr. Unklar war zunächst, wie die Tiere unter kontrollierten Bedingungen zum Ablaichen gebracht werden können. An dieser Stelle kamen uns Erfahrungen eines dänischen Fischzüchters zu Gute. Seinen Ratschlägen folgend, haben wir uns für das Ablaichen in Aquarien als bevorzugte Methode entschieden. Der Ablaichvorgang selbst war dann auch bereits in den beiden folgenden Jahren unproblematisch. Bei der Aufzucht der Fischlarven dagegen kam es immer wieder zu erheblichen Ausfällen. Letztendlich hat es sich bewährt, die Schlammpeitzgerlarven nur über etwa drei Wochen nach dem Schlupf in Aquarien und Brutrinnen zu füttern und aufzuziehen. Danach können sie entweder direkt in die zu besetzenden Gewässer gebracht oder in Aufzuchtteichen bis zum Herbst „vorgestreckt“ werden. Beim Abfischen im Oktober 2019 in der Teichanlage hatten die einsömmerigen Schlammpeitzger bereits mehr als 10 cm Länge erreicht.

Ein erster Besatz mit Nachzuchten aus Langwedel konnte 2019 in mehreren gut geeigneten Gewässern des Haaler Au-Systems (ein Zufluss des Nord-Ostsee-Kanals) durchgeführt werden. Etwa 3.000 Larven und 300 Jungtiere fanden dort einen neuen Lebensraum. In Zukunft möchten wir weiter Besatzmaterial für Gewässer in Schleswig-Holstein bereitstellen und hoffen dabei auf eine Förderung aus dem Fischartenhilfsprogramm „Fischhorizonte“ des Landes Schleswig-Holstein. Der ausführliche Bericht zu den Projektarbeiten wird demnächst auf der Internetseite des Landes erscheinen und dann von uns hier über einen direkten Link zugänglich gemacht.