Fischbestandserhebung Haaler Au

Großer Trubel an der kleinen Au. Bei bestem Sommerwetter hatten die Biologen des Landessportfischerverbands (LSFV) Schleswig-Holstein, Rüdiger Neukamm und Dr. Mattias Hempel, eine Fischbestandserhebung an der Haaler Au angesetzt. Zwei Tage lang sollte der Unterlauf des Gewässer intensiv auf die dort lebenden Fische und Neunaugen untersucht werden. „Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie erfordert es, dass alle drei Jahre ein solches Monitoring durchgeführt wird“, sagt Neukamm. Zudem sei das Flusssystem im Kreis Rendsburg-Eckernförde zwischen Hohenwestedt und dem Nord-Ostsee-Kanal als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) an die Europäische Union gemeldet worden. Und die EU verlangt regelmäßig Daten, die den guten Zustand und vor allem die außergewöhnliche Bedeutung der Au für bestimmte Fischarten unterstreichen.

In der Haaler Au sind es besonders die Neunaugen, vor allem aber die Steinbeißer, auf die sich das Augenmerk der Biologen richtet. Beide Arten sind selten, der Steinbeißer gilt als „Art von gemeinschaftlichen Interesse“, der somit hohen Schutzstatus genießt und für den besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden – zum Beispiel die Haaler Au. Dies gilt auch für die Neunaugen. Sie haben ihren Verbreitungsschwerpunkt aber in den schneller fließenden Gewässerabschnitten oberhalb von Todenbüttel. Gerade, weil beide Fische gefährdet sind und für die Gewässer eine wichtige Rolle spielen, liegen sie dem LSFV am Herzen, obwohl sie aus anglerischer Sicht keine Rolle spielen. Auch der Bitterling gehört dazu und so ist auch er an diesem Tag bevorzugte Beute der Biologen.

Schon am frühen Vormittag hatten die Biologen mit Hilfe der FÖJler, Elia Mula und Paul Pollenske, die Geräte ausgepackt, Wannen, Eimer und Tische bereitgestellt sowie das rund sechs Meter lange Boot zu Wasser gelassen. Als Schaulustige, die aber auch fleißig mit anpackten, hatten sich Vertreter der vier Angelvereine eingefunden, die die Haaler Au bewirtschaften, ASV Lütjenwestedt, ASV Breiholz-Haale, SFV Beringstedt und ASV Forelle Todenbüttel. Auch das so genannte Spiegelnetz war an der ersten, rund 200 Meter langen Fangstrecke bereits ausgebracht worden. „Dadurch grenzen wir den Fluchtraum der Fische ein wenig ein, damit wir mehr erwischen“, erklärt Rüdiger Neukamm, der sich beim LSFV auch ehrenamtlich um den Umwelt- und Tierschutz kümmert.

Gefischt wird schonend mit Elektrizität. Drei Mann im Boot: einer stakt den Kahn, zwei suchen mit Keschern nach Fischen, die durch ein Stromfeld im Wasser kurzzeitig betäubt werden. Sie tragen so genannte Polbrillen. Diese sehen aus wie Sonnenbrillen, ermöglichen aber eine bessere Sicht unter die Wasseroberfläche. Wenn ein Fisch im Fangnetz landet, kommt er umgehend in eine große Wanne mit frischem Wasser – und sofort schwimmt er dort zappelt umher. Die Betäubung hält nur einen kurzen Augenblick und schadet dem Tier nicht.

Und so landen neben Steinbeißern, Neunaugen und Bitterlingen auch zahlreiche andere Fischarten erst in den Wannen, werden dann in die verschiedene Eimer sortiert, gewogen, gemessen und wieder in die Freiheit entlassen. Das Ergebnis ist deutlich: Steinbeißer und Co. fühlen sich in der Haaler Au weiterhin wohl. Auch andere Fische wie dicke Brassen, Hechte, Barsche und viele Weißfische leben dort. Die Messdaten wie Wassertemperatur, pH-Wert, Sauerstoff und Leitfähigkeit, die an insgesamt 14 Stationen an der Haaler Au entnommen werden, zeigen keine Auffälligkeiten. Rüdiger Neukamm und Mattias Hempel sind zufrieden.

Keine Veränderung ist in diesem Fall eine gute Nachricht“, sagt Rüdiger Neukamm. Und das liege nicht nur daran, dass der auf die Befischung folgende Papierkram einfacher sei. „Das bedeutet in erster Linie, dass wir hier immer noch ein ganz schönes, sehr naturnahes Gewässer haben, in dem sich die seltenen Arten wohl fühlen. Und bald, so hofft Neukamm, werde in dem Gewässersystem rund um die Haaler Au noch eine weitere, seltene Art hinzu kommen. Auf der Teichanlage des Landessportfischerverbands in Langwedel werden seit einiger Zeit Schlammpeitzger vermehrt. Voraussichtlich noch in diesem Jahr sollen die Gräben und Biotope mit dieser seltenen Fischart besetzt werden.