Abschlussbericht von Geschäftsführer im Ruhestand Dr. Dieter Bohn

Liebe Vereinsvorsitzende, liebe Freunde der Angelei,

wo ist bloß die Zeit geblieben? Es ist noch nicht lange her – es kommt einem jedenfalls so vor – da saß ich das erste Mal im Büro in Kiel und stellte mich bei Ernst Labbow und Gerd Schümann vor (Sommer 1998). Ein Pluspunkt bei der Bewerbung: ich beantwortete die Frage von Ernst „Was ist ihr Lieblingsangelfisch?“ mit der Antwort „Der Aal!“ Das passte dem damaligen Präsidenten, 14 Tage später war ich eingestellt und fing den Dienst am 6. Januar 1999 an.

Es war aber nicht nur dieser Punkt, denn ich hatte auch andere Qualitäten.Nach dem Studium der Agrarwissenschaften in Kiel hatte ich meine Ausbildung mit einer Promotion in der Tierzucht abgeschlossen. Diese wissenschaftliche Arbeit befasste sich mit der statistischen Auswertung riesiger Datenmengen. Dabei hatte ich auch die Grundzüge einer Computersprache erlernt. Danach hatte ich zehn Jahre praktische Erfahrungen als Geschäftsführer beim Naturschutzring Segeberg gesammelt. Diesen kleinen neu gegründeten Verein hatten wir mit einem sehr kleinen Team in kurzer Zeit zum größten Landschaftspflegeverband in Schleswig-Holstein entwickelt. Hier hatte ich viel Basisarbeit betrieben, hauptsächlich in enger Zusammenarbeit mit Landwirten, Jägern und Anglern. In der Spitzenzeit hatte der Verein annähernd 50 Angestellte, hauptsächlich über ABM-Maßnahmen. Neben der Pflege von Knicks und Wäldern legten wir Biotope an, die häufig auch bunt strukturierte Teiche beinhalteten und in der Masse über die Jagdabgabe des Kreises finanziert wurden. In dieser Tätigkeit habe ich auch Angelvereine betreut, die über Bachpatenschaften monatliche Gewässeranalysen vornahmen. Es fand auch damals eine permanente Diskussion zwischen Nutzern und Schützern statt, die teilweise hochemotional und intensiv ausgetragen wurde. Wie heute dominierte häufig eine eng ausgelegte Ideologie an Stelle nüchternen Fachwissens. Heute wie damals hatten aber immer alle ein Ziel: Unsere Natur nachhaltig zu erhalten, nur von unterschiedlichen Standpunkten aus betrachtet. Auch besaß der Verein eine gewerbliche Tochter-GmbH. Sie befasste sich unter anderem mit dem Holzbau und der Gartenpflege. Umfangreich war der Landschaftsplanungsbereich. Im Rahmen dieser Tätigkeiten hatte ich mir GIS-Fähigkeiten angeeignet und die Zertifizierung für Landschaftsplanung erarbeitet.

Im Verband stimmte die Verbindung zwischen Ernst und mir, während das Verhältnis zum mächtigen Vizepräsidenten für Finanzen eher distanziert und betont sachorientiert blieb. Hierbei stand seine fachliche Qualifikation für mich nie außer Frage.

Das Präsidium war – wie auch im vorigen Verein – eine bunt zusammengesetzte Gruppe von Idealisten, die das Ziel verfolgte, die Geschicke des Verbandes zum Wohle aller Mitglieder voranzutreiben. Die Aufgabe eines Geschäftsführers besteht dann darin, diese Geschicke arbeitstechnisch zu organisieren und zu lenken. Er stellt das Bindeglied zwischen Präsidium und Mitarbeiter/innen nach innen und den Aufgabenfeldern nach außen dar. Dabei muss er aufpassen, dass er Macht entwickelt, um außen wahrgenommen und anerkannt zu werden, aber nicht so eigenständig agiert, dass er dem Präsidium die Führung entzieht bzw. dass es dieses Gefühl bekommt. Das ist uns über die Jahre gut gelungen. Es gab zwischenzeitlich einen Abschnitt, da hat es mächtig geknirscht. Ich hatte eine Auffassung von der Höhe akzeptabler Pachtzahlungen für einzelne Gewässer. Dieser Abschnitt war unschön und hat Narben hinterlassen. Aber wie immer im Leben muss man manchmal durch ein Tal, wenn man auf den nächsten Hügel will.

Neben der Geschäftsführung vertrat ich den LSFV auch in der AG-29 des Landesnaturschutzverbandes und bis zum 27. Oktober 2019 im Umweltausschuss des Landessportverbandes. Die AG-29 tagte einmal monatlich und wurde hauptsächlich durch Mitarbeiter des LNV, des LJV und uns geprägt. Zu Beginn war noch der SHHB öfter vertreten, sporadisch andere Mitgliedsverbände. Beim LSV waren die Wassersportler und Reiter die aktivsten Fachabteilungen. Besonders bis zur Fertigstellung Freiwilliger Vereinbarungen zur Nutzung von Natura2000-Gebieten wurde regelmäßig getagt, wobei wir auch in diesem Gremium eine führende Position innehatten. Die grafischen Grundlagen dieser Vereinbarungen erfolgten allein beim LSFV.

Meine erste große Aufgabe war die Analyse des LSFV, denn wir mussten Wege finden, um nicht gegenüber dem Naturschutz ins Hintertreffen zu gelangen. Auch die Anfertigung von Hegeplänen stand auf der Agenda der Landesregierung. Wir als LSFV sahen die Chance, unsere Bedeutung zu stärken und die Ausübung der Angelei zu sichern. Thorolf Böttger wurde mit der Entwicklung eines Hegeleitfadens betraut. So gut die Hegeplanthematik zu Beginn gemeint war, so unbedeutend hat sie sich mittlerweile entwickelt. Da eine konsequente Umsetzung nicht gewollt oder erreichbar war, ist der Fachbereich mittlerweile streichfähig. Hier käme mein Gedankenansatz zum Wirken: Entweder man macht eine Sache gut oder man lässt sie bleiben.

In Bezug auf die Natura2000-Regelungen wurden Freiwillige Vereinbarungen mit dem Umweltministerium getroffen, die den Umfang der anglerischen Nutzungen darstellten und ihn langfristig sichern sollten. Im LSFV gab es bis dahin nur eine einfach strukturierte Access-Datenbank, in der die Vereine mit ihren Vorsitzenden, Anschriften und Mitgliederbestand aufgezeichnet waren. Einige Vereine hatte auch angegeben, welche Gewässer sie bewirtschafteten. Das reichte für eine Kommunikation mit den Behörden nicht. In zwei umfangreichen Befragungsaktionen wurden die Strukturen aller (!) Mitgliedsvereine erfasst, analysiert und aufgearbeitet. Dieser Befragungsprozess hat über ein Jahr gedauert. Einige Vereinsvorsitzende hatten das erste Mal direkt mit dem Verband Kontakt. In diesem Zeitraum erfolgten zahlreiche interessante Gespräche, die mich stark mit der Basis verknüpft haben. Gleichzeitig erhielt ich einen ausgezeichneten Überblick über die Struktur unserer Vereine. Es wurden 857 Gewässer oder Gewässerteile erfasst und ausgewertet, zusammen etwa 14.660 ha Fläche. 276 waren linienförmige Angelgewässer und reichten von kleinen Gräben bis zu den Kanälen und den großen Flüssen. 581 waren flächenhafte Strukturen und reichten von kleinen Tümpeln bis zu den größten Seen. 122 Vereine besaßen keine eigenen Angelgewässer. Sie bestehen, um LSFV-Erlaubnisscheine günstig beziehen zu können. Außerdem zog damals wie heute das Argument der günstigeren Versicherung.

Alle erfassten Gewässer wurde in 57 Karten Maßstab 1:50.000 mit Textmarkern festgehalten; ein einmaliges Archiv, dass landesweit bis heute die einzige kartografische Übersicht zu in Schleswig-Holstein von Angelvereinen genutzten Gewässern darstellt. Es gab mehrere Gespräche mit dem LLUR, diese Daten digital aufzuarbeiten, aber bis heute keine personellen und finanziellen Ressourcen, um das umzusetzen. Auf der Grundlage dieser Ausarbeitungen wurden am 2. Mai 2002 erste Rahmenvereinbarungen zwischen dem Landessportverband und dem LSFV sowie dem Ministerium getroffen, die die zukünftige Zusammenarbeit zum Ziel hatten. Das Ergebnis wurde nach langem Wirken, vielen Verhandlungen und intensiven Debatten am 15. Juli 2008 erreicht. In 15 regional differenzierten Gebietskulissen wurden die Vereinsstrukturen, ihre fischereirechtlichen Aktivitäten und die möglichen Konflikte mit den neuen Schutzgebietskulissen dokumentiert. Auf diese Weise sollte ein langfristiger Bestandsschutz erreicht werden, den die EU-Bestimmungen ausdrücklich garantieren. Die Inhalte gelten heute noch bzw. wurden größtenteils in die in den letzten Jahren aufgestellten Managementpläne eingearbeitet. Der Kampf um die teilweise seit Jahrzehnten betriebenen Fischereirechte bleibt auch hierbei permanent existent und stellt eine ewige Auseinandersetzung zwischen den Nutzern vor Ort und den ökologischen Zielvorstellungen der Schützer „von oben“ dar. Hierbei ist der LSFV ein enorm wichtiger Vermittler bei möglichen Auseinandersetzungen mit Planern und Behörden.

Bei EU-Projekten darf die WRRL nicht vergessen werden. Deren Strukturen wurden in Schleswig-Holstein organisatorisch gut aufgebaut und die Angler und Fischer in jedem der 34 Bearbeitungsgebiete mit Vertretern beteiligt. Es konnten viele Problemfelder beseitigt und zahlreiche Gewässer wieder durchgängiger gestaltet werden, dennoch muss beachtet werden, dass der größte Teil noch nicht erreicht wurde. Wenn am 21. Dezember 2021 der 3. Bearbeitungszeitraum beginnt, wird bis zu dessen Ende 2027 noch viel Arbeit zu erledigen sein, um in allen Gewässern den angepeilten guten ökologischen Zustand zu erreichen.

Ein zu Beginn meiner Tätigkeit intensiv diskutierter Bereich war die Populationsentwicklung der Kormorane. Es existierte seinerzeit noch ein „Runder Tisch“, bei dem die Entwicklungen debattiert und die unterschiedlichen Ansichten ausgetauscht wurden. Die Population war von 33 Brutpaaren im Jahre 1973 auf 2.189 im Jahr 1999 angewachsen. 2019 brüteten 2.811 amtlich erfasste Paare in Schleswig-Holstein (Mecklenburg-Vorpommern: rund 13.000). Die Brutpopulation orientiert sich in den vergangenen Jahren zu den Küsten, schwerpunktmäßig zur Westküste. Das dürfte auch mit den erschöpften Fischbeständen im Binnenland zusammenhängen, wo die natürliche Regulation mittlerweile wirkt. Diese Brutpaare dürften eine Gesamtpopulation von etwa 25.000 Kormoranen „produzieren“, die ihrerseits jährlich etwa 3.000 t Fisch verzehren – nicht allein in Schleswig-Holstein, denn die Vögel verteilen sich über ganz Europa. Der NaBu prangert an, dass mittlerweile etwa 80.000 Kormorane europaweit geschossen werden. Tatsache ist und bleibt aber, dass ein Fisch nur einmal gegessen werden kann und es deshalb keinen unwichtigen Fisch gibt. Die seinerzeit von Minister Hans Wiesen auf dem Deutschen Fischereitag verkündete Obergrenze von 800 Paaren stellt eine heute traumhaft erscheinende Vision dar. Aber der Naturschutz und hier allen voran der Vogelschutz ist ein Sektor, der von extrem einseitigem Denken geprägt wird und der den Glauben vertritt, dass sich die Natur selbst regelt. Jegliche Regulierung wird bis auf einige Abschüsse an Produktionsteichen der Berufsfischer abgelehnt. Ich halte eine Beschränkung auf höchsten 1.000 erfolgreiche Brutpaare für vollkommen ausreichend, um die Nachkommenschaft zu sichern und gleichzeitig die Schäden in der Fischwirtschaft – auch im Ausland – zu verringern. Wir sind hier als natürlicher Nahrungskonkurrent einzustufen, der auch seine Daseinsberechtigung haben muss. Die an vielen Stellen propagierte These vom Allheilmittel „Aquakultur“ dürfte zwar technisch eine Lösung sein, praktisch aber eine neue Form der Massentierhaltung, nicht mit dem Fang von freien Fischen in freien Gewässern vergleichbar.

Ein umfangreicher Bereich, der auch mit der Kormoran-Entwicklung zusammenhängt, war Fischbesatz, insbesondere Aal- und Salmonidenbesatz. Ich habe Statistiken fortgeführt und teilweise erst aufgebaut. Der Besatz mit Salmoniden lief bereits vorher auf einem hohen Niveau mit gut eingespielten Teams in unserem Bruthaus in Aukrug und dem der Binnenfischer und Teichwirte in Altmühlendorf. Hier regelten Hartwig Hahn (LSFV) und Albrecht Hahn (VBT) die Abläufe und ich brauchte mich „nur“ um die Abrechnung der Förderungsanträge zu kümmern. Ich danke beiden für die jahrzehntelange Zusammenarbeit. In Aukrug produzieren wir jährlich etwa 560.000 Meerforellen- und 50.000 Bachforellenbrütlinge, bisher insgesamt etwa 25 Millionen.

Diese werden seit wenigen Jahren nicht mehr getrennt erfasst. Das mag wissenschaftlich korrekt sein, aber ich bedaure es, denn ich könnte mir vorstellen, dass die Bachforelle als vor Ort bleibende Variante zunehmend Probleme bekommt, wenn sie zwischen den immer stärker werdenden Fressfeinden Otter und Kormoran aufgerieben werden.

Bei den Lachsen wurde zu Beginn meines Wirkens Besatz noch bezuschusst. Auch wurden viele Brütlinge in Skandinavien gekauft. Das hat sich verändert. Einen Zukauf halte ich mittlerweile für kontraproduktiv, da er die sich akklimatisierende „heimische“ Population permanent auffrischt und damit die regionale Anpassung, wenn sie überhaupt eine Rolle spielt, aufhebt. Der Lachs wird aktuell nicht gefördert, weil er nicht heimisch sein soll, ähnlich wie die Äsche, die wir seinerzeit auch noch besetzt und gefördert bekommen haben. Auch Hechte wurden im größeren Umfang besetzt, was mittlerweile zu recht eingestellt wurde.

Dagegen ist der Aal nach wie vor ein Sorgenkind. Er ist aus meiner Sicht ein Opfer unserer Zivilisation und seiner außergewöhnlichen Lebensweise. Zwar darf die negative Bestandentwicklung nicht allein auf den Kormoran fokussiert werden. Aber er dürfte ein Hauptproblem sein, denn in Schleswig-Holstein wurden mehr Störstellen beseitigt als neue errichtet und dennoch gingen die Fangzahlen kontinuierlich zurück. Aale müssen zu alt werden, um sich zu vermehren, d.h. sie müssen 15 bis 20 Jahre dem Schnabel dieses Prädators entgehen, um sich einmal vermehren zu können. Die Analyse der Schäden gestaltet sich nach wie vor schwierig, denn junge Aale sind als Nahrungsinhalte anhand der Speiballenanalysen kaum quantitativ vollständig nachzuweisen. Die Magensäure zersetzt die Aalknochen und kleine Gehörknöchelchen können bei der Analyse durch das Raster fallen.

Ein weiterer Entnahmefaktor, der noch nicht intensiv analysiert wurde, ist der Seehund- und Kegelrobbenbestand im Nordseebereich. Er ist mittlerweile auf über 12.000 Seehunde und 200 Kegelrobben gewachsen und permanent geschützt. Ihre Fischentnahme wird sich auf einen nicht zu unterschätzenden Teil der abwandernden Aale auswirken, die eine eiweiß- und fettreiche Nahrung darstellen. Gleichzeitig dürften sie eine nicht unerhebliche Menge aufsteigender Lachse und Meerforellen abschöpfen, die teilweise vor den verschlossenen Einmündungen unserer Nordseezuflüsse stehen und auf eine Aufstiegsmöglichkeit warten. Während wir einige Arten im Naturschutz vollkommen schützen werden Eingriffe in andere Arten, die von diesen Prädatoren gefressen werden, als normal angesehen. Dieser mangelnden Beachtung direkter Wirkungsketten fallen noch andere Arten, wie z.B. Schlammpeitzger oder Aalmutter zum Opfer.

Da wir kaum noch einen natürlichen Aalaufstieg haben, stammt vor allem im Bereich der Ostseezuflüsse fast jeder – egal von wem – verzehrte Aal aus Besatz. Die seit Jahren zunehmende Diskussion um ein Verbot der Fischerei auf diese Fischart verdeckt bei vielen Naturschützern unsere Besatzerfolge. Die können wir aber nur belegen, wenn wir wissenschaftlich fundierte Untersuchungen vornehmen, sie analysieren und deren Ergebnisse auch außerhalb unserer eigenen Medien veröffentlichen. Hier gibt es noch deutlichen Spielraum nach oben. Nach meinen statistischen Auswertungen hat allein der LSFV mit seinen angeschlossenen Vereinen seit meinem Dienstantritt 1999 etwa 8,6 Millionen Jungaale in unsere Gewässer eingebracht. Dafür wurden etwa 2,226 Millionen € investiert, davon rund 1,213 Millionen € aus Fischereiabgabe- und EU-Mitteln, rund 394.000,- € vom LSFV und 593.000,- € von seinen Vereinen. Auch Vattenfall steuert seit 2016 im Elbebereich jährlich 5.000,- € als kleine Wiedergutmachung für seinen Eingriffe in Geesthacht bei. Für das unsinnige Kraftwerk in Moorburg, das die Abwärme nach wie vor in die Abluft oder das Elbe-Wasser einbringt, anstatt sie sinnvoll in das Fernwärmesystem einzuspeisen, erfolgen meines Wissens keine dementsprechenden Kompensationszahlungen.

Beim Besatzmaterial wurden 1999 noch hauptsächlich Satzaale eingebracht, was 2011 eingestellt wurde. Neben den Satzaalen wurden 1999 erst geringe Mengen an vorgestreckten Farmaalen verwendet. Die Gewässerbewirtschafter wollten gerne möglichst große Tiere einbringen. Erst 2016 kamen dann die Glasaale hinzu, die heute zahlenmäßig die größte Populationsstützung darstellen. In aufwendigen Markierungsversuchen versucht der LSFV seit 2012 wissenschaftlich fundiert zu belegen, wie hoch der Anteil der eingebrachten Aale im Vergleich zum noch natürlich einwandernden Naturzulauf ist, welcher Besatz effektiver ist und wie die Überlebenserfolge der einzelnen Altersstadien sind. Das größte Fragezeichen wird noch für lange Zeit bleiben, wieviel Prozent der besetzten Aale tatsächlich abwandern. Außer Frage dürfte aber stehen, dass ohne Besatz kaum noch Aale in unseren Gewässern vorhanden wären.

Die Umsetzung der öffentlichen Bezuschussung beim Aal müsste aber stark vereinfacht werden. Jegliche Obergrenzen müssten entfallen, da wir froh über jede finanzielle Beteiligung sein sollten. Hauptsache sollte sein, dass die Gewässer über Abstiegsmöglichkeiten verfügen. Die Vereine melden dann ihren finanziellen Einsatz und überweisen diesen zum festgelegten Termin. Fischereiabgabe- und EU-Mittel werden prozentual hinzugefügt und dann dafür die Aale gekauft. Diese werden dann an die beteiligten Fischereirechtsinhaber verteilt. Das würde den gesamten Ablauf vereinfachen, das Geld wäre bereits vor der Bestellung eingesammelt und der Finanzablauf in die richtige Reihenfolge einsortiert.

Fischereiausübungsberechtigte, ohne einen in der Höhe festgelegten Mindestbesatz, dürften keine Fischerei auf Aale mehr vornehmen und gefangene Aale müssten dort unverzüglich wieder in das Gewässer zurückgesetzt werden. In Naturschutzgebieten ohne Befischung ist der Besatz von den Naturschutzbehörden aufzubringen und von ihnen zu organisieren. Schleswig-Holstein würde so auch die Gefahr einer EU-Strafe verringern; bislang werden die Besatzvorgaben unzureichend vorgenommen. Sogar eine spätere Rückforderung ist nicht auszuschließen.

Ich stelle fest, dass ich sehr viel Erfahrungen gesammelt habe und problemlos noch fünfzig Seiten anfügen könnte und zahlreiche Statistiken, aber wer will das alles lesen?

Deshalb stelle ich die ausführliche Beschreibung einzelner Themenbereiche ein und führe noch einige Thematiken in komprimierter Form auf. Hierbei werde ich mit den verbandsnahen Bereichen beginnen und persönliche Anregungen anfügen. Sie haben keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit und sollen auch nur als Anregungen betrachtet werden:

Internet: Die Technik ist ausgesprochen wichtig und muss weiter intensiv betreut werden. Hier halte ich die Einstellung eines fachlich ausgebildeten Mitarbeiters für zweckmäßig. Er könnte das Internet, unser Verwaltungsprogramm und die Verkaufsshops programmieren und bedienen. Dabei wäre auch der Datenschutz abzudecken. Foren sind meines Erachtens sinnvoll, dürfen aber nur unter dem richtigen und vollständigen Namen der Beteiligten ausgeführt werden. Wer Demokratie und Meinungsfreiheit will, muss auch mit seinem richtigen Namen zu eigenen Aussagen stehen. Das ist praktisch ein Vermummungsverbot. Wird diese Art nicht gewünscht, sollte das Forum gestrichen werden, da Aufwand und Nutzen in ungünstigem Verhältnis stehen.

Bei der Entwicklung einer modernen Büro-Software habe ich meinen vermutlich größten Fehler beim LSFV begangen: Ich habe mit dazu beigetragen, dass wir zu wenig Geld – das fehlte auch schon damals – für eine effiziente Lösung in der Geschäftsstelle eingesetzt haben. Wir wählten die deutlich günstigere Variante von einer jungen unerfahrenen Firma, anstatt das deutlich teurere Angebot von einem etablierterem Unternehmen zu nehmen.

Information der Mitglieder: Früher hatten wir das gemeinsame Mitteilungsblatt des LJV und des LSFV, „Jäger&Fischer“. Das ist Historie. Ohne eine schriftliche Information eines jeden Mitglieds ist eine Verbandsarbeit aber nicht machbar. Wer weiß denn überhaupt, was wir wirklich alles leisten? Als Voraussetzung müssen alle Adressen digital erfasst und ständig aktualisiert sein. Die Einführung eines LSFV-Ausweises für jedes Mitglied nach Vorlage des DAFV wäre eine sinnvolle und zeitgemäße Lösung. Mögliche Vorteile: Rabatte über Ausweis bei Angelgeschäften, Autohäusern, Versicherungen etc.. Über den Ausweis könnten zukünftig Erlaubnisscheine genauso strukturiert werden wie Fanglisten. Diese sind nach wie vor ein Problem und die Verknüpfung der Fanglisten der Vereine mit dem LSFV funktioniert nicht. Wir können unsere (wachsende) Bedeutung für den Fisch und seine nachhaltige Nutzung nur halten, wenn wir wissen, was wir fangen. Der von uns einmal jährlich abzugebende Fangbericht gleicht momentan eher einer Lotterie als einem fundierten Ergebnis. Mindestens einmal im Jahr sollte jedes Mitglied ein Mitteilungsheft erhalten. Die Finanzierung könnte über Werbepartner erfolgen. Auf dieser Basis wäre auch ein DAFV-Blatt zu verteilen, da auch dieser Verband kaum eine Verbindung zu unseren/seinen Mitgliedern hat.

Jugend: Unsere Jugendabteilung hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Das ist eine Leistung von Hartwig Voß und seinem Vorstand, denn er hat sie aus den ewigen Konflikten zu Beginn meines Wirkens zwischen Jugendgruppe und LSFV in eine friedlichere Koexistenz geführt. Selbstverständlich kann die Jugend manchmal Dinge anders sehen, aber wir sitzen alle in demselben Boot und stehen vor gleichen Herausforderungen. Ich wünsche Hartwig Voß vor allen Dingen gesundheitlich alles Gute und eine gehörige Portion Zuversicht.

Fischereiabgabe: Diese staatliche Abgabe ist eine wichtige Geldquelle zur Umsetzung von Projekten im Fischereisektor. Hier müssen aber andere Verfahren hergestellt werden. Antragsteller verfügen in der Regel nicht über ausreichende Finanzmittel, um Projekte teilweise über Monate vorzufinanzieren.

LNV: Wir legen Wert darauf, ein anerkannter Naturschutzverband zu sein. Etwas mehr Aktivitäten müssten dafür erfolgen, sind aber nur über Arbeitszeit zu erreichen. Das monatliche Mitwirken in der AG-29 halte ich für ein Minimum, weil sonst die Verbindung zerfällt.

LSV: Angeln ist kein Sport. Viele Angelvereine sind in den letzten Jahren aus dem Sportverband ausgetreten, auch solche, die eigentlich Sport betreiben, nämlich Castingsport. Das hat für den LSFV finanzielle Folgen, denn wir erhalten vom LSV geringere (auf die Mitgliedszahl bezogene) Zuschüsse und müssen gleichzeitig höhere Versicherungsbeiträge zahlen.

LJV: Ein mir immer sehr nahestehender Verband, weil ich selbst auch Jäger bin. Ansonsten hat der LJV dieselben Probleme wie der LSFV: Er ist ein nutzender Naturschutzverband, d.h. die Mitglieder entnehmen natürlich aufwachsende Produkte aus der Landschaft und sind gleichzeitig aktive Schützer. In der AG-29 habe ich immer eng mit dem LJV zusammengearbeitet.

Die anderen Fischereiverbände: Hier war und ist der Kontakt zu dem Verband der Binnenfischer und Teichwirte (VBT) der intensivste, auch weil der LSFV dort selbst Mitglied ist. Allen Verbänden gemein war die Problematik wachsender Einschränkungen und Probleme mit anderen Umweltverbänden und mit Fischfressern. Der vom LSFV maßgeblich im Jahr 2000 mit ins Leben gerufene gemeinsame „Landesverband schleswig-holsteinischer Angler und Fischer“ (LVAF) hatte nur vier Jahre Bestand. Es wurde zu sehr über die Quoten – hauptsächlich ging es um den Dorsch – miteinander gestritten, anstatt zusammenzuarbeiten.

Hier begann die Zusammenarbeit mit Robert Vollborn, den ich in dieser Zeit und noch wesentlich stärker nach seinem Übertritt in den LSFV (nach Auflösung des LVAF) kennen und schätzen gelernt habe. Wir hatten keine durch bürokratische Regeln festgelegte Arbeitsteilung, sondern haben jeder für sich die zugewiesen und sachlich-fachlich entsprechenden Arbeitsbereiche bedient. Das war ein erfolgreiches Konzept und hat Reibungsverluste verhindert. Wir haben gut zusammengearbeitet und sind Freunde geworden; dafür bedanke ich mich noch mal besonders. Für die Fortführung der schwierigen Aufgabe eines Geschäftsführers wünsche ich Dir viel Glück und Erfolg.

Prüfungswesen: Hier muss in vielen Vereinen noch stärker die Jugendarbeit über Engagement im Lehrgangswesen entwickelt und als überlebenswichtig eingestuft werden. Die Verknüpfung zwischen Ausbildung à Prüfung à Verein ist an vielen Orten zu verbessern. So könnte der Eintritt in einen Verein nach einer erfolgreichen Prüfung im ersten Jahr kostenfrei oder kostenreduziert sein. Eine Aufnahmegebühr ist meines Erachtens sowieso eine unsinnige Barriere.

Tourismus: Ich habe mehrere Tourismusverbände erlebt. Allen gleich war, dass die Bedeutung des Angelns für den Tourismus als gering eingestuft wurde. Angeln wird noch zu wenig als Werbefaktor erkannt, obwohl es besonders außerhalb der touristisch interessanten Sommermonate stattfindet und problemlos ausgebaut werden kann. Für uns und unsere Vereine sind Einnahmen aus dem Erlaubnisscheinverkauf immer wichtiger.

Barrierefreie Angelplätze: ein in den letzten Jahren enorm angewachsener Bereich, der durch die Arbeit von Sabine Hübner enorm an Dynamik gewonnen hat. Er wird durch ihr intensives Wirken seine Bedeutung bestimmt behalten und vermutlich noch ausbauen.

WSV/WSD: unser mit Abstand wichtigster Partner, denn ohne NOK, ELK und Elbe würden dem Verband die wichtigsten Gewässer fehlen. Die Zusammenarbeit mit den beiden Hauptgesprächspartnern Petra Rinner (Kiel) und Rainer Krack (Lauenburg) war über die gesamte Zeit intensiv und fair. Nicht fehlen darf Dieter Czerny, dem der LSFV viel zu verdanken hat. Er setzte in vielen Bereichen vorausschauend Akzente. Die Einrichtung der Hegegemeinschaft und das Beharren auf Fangstatistiken waren Grundzüge, die den LSFV nachhaltig geprägt haben. Die Drittelung der Einnahmen aus den Erlaubnisscheinen auf Verpächter, Pächter und Gewässer dürfte bespiellos sein, eine gelungene Kombination zwischen Marktwirtschaft und Kommunismus, denn hier bekommen alle etwas ab. Ich würde mir wünschen, dass auch alle landeseigenen Gewässer so verpachtet werden. Dann hätten wir Kapital für Gewässerbetreuung, Datenverarbeitung und Besatz.

DAFV: Unser Bundesverband entwickelt sich meines Erachtens positiv. Es gibt zu ihm auch keine Alternative; genau so wenig wie zum LSFV. Der Austritt ganzer Landesverbände schwächt die Deutsche Anglerschaft enorm. In jedem Land sollte möglichst auch immer nur ein Verband existieren, zumindest wenn es um die flächenhafte Vertretung geht. Mehr Verbände helfen nicht weiter, sondern kosten nur unnötig Geld und führen zur Zersplitterung und albernem Konkurrenzgehabe. Dieses hilft nur Gegnern der Angelei.

Diese „kurzen“ Zeilen geben nur einen kleinen Überblick über den Wust an Gedanken und möglichen Ideen, die einem alten Knacker im Kopf rumschwirren, obwohl er gar nicht mehr im Dienst ist. Aber das dürfte ganz normal sein und auch noch lange Zeit so bleiben, genauso wie man immer ein Angler bleibt, auch wenn man vielleicht gar nicht mehr zum Angeln gehen kann.

Ich beende meine Gedankenausflüge und wünsche allen Anglerinnen und Anglern weiterhin viel Spaß und Freude bei der schönsten Nebensache der Welt. Ich beende meine Arbeitszeit in Zufriedenheit und einer Portion Stolz, denn ich glaube, dass wir trotz aller finanziellen Engpässe den Verband auch in meiner Tätigkeitsperiode deutlich nach vorne entwickelt haben. Im bundesweiten Vergleich können wir uns durchaus sehen lassen und in vielen Bereichen zufrieden auf das herabblicken, was wir gemeinsam geschaffen haben.

Dazu hat auch wesentlich beigetragen haben, dass ich von einem guten Team begleitet wurde. Ich weiß, dass die Arbeitsbelastung manchmal enorm war, aber wir haben gut zusammengearbeitet. Hierbei möchte ich ganz besonders bei Susanne Schramm bedanken, die mich nach dem Renteneintritt von Marlies Evert mit ihrer Einsatzbereitschaft, ihrem Kenntnisreichtum und ihrem phänomenalen Gedächtnis unterstützt hat. Fast jeder im Verband dürfte wissen, dass sie die Seele in der Geschäftsstelle ist, jeden Verein kennt, bei den meisten sogar noch die Vereinsnummer und den Vorsitzenden und weitere Mitglieder im Vorstand, teilweise Jahre zurückliegend, so dass es einfacher war, sie zu fragen, als in einen Ordner zu suchen.

Bevor ich mich bei allen anderen bedanke, darf ich meinen Präsidenten und Freund Peter Heldt nicht vergessen. Als Nachfolger von Ernst Labbow, war es manchmal nicht leicht, diesen zu ersetzen, aber es ist ihm sehr gut gelungen. Er war und ist ein deutlich anderer Präsident als sein Vorgänger, und ich bewundere seinen ehrenamtlichen Einsatz, der das wirtschaftlich sinnvolle Maß für einen selbstständigen Handwerker häufig überschreitet. Als Person sind wir uns in vielen Dingen sehr ähnlich und verstehen uns gut. Die Zusammenarbeit hat mit ihm hat mir Spaß gemacht und dafür bedanke ich mich.

Das möchte ich dann auch bei allen anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Mitgliedern im Präsidium, Ehrenämtlern und Geschäftspartnern sowie allen anderen Beteiligten vornehmen, ohne alle einzeln zu nennen. Hier würde ich viele vergessen und müsste auch viele aufführen, die teilweise schon lange nicht mehr unter uns weilen. Ich bedanke mich bei allen für die lange gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Jeder hat seine Stellung und seine Aufgaben im Verband, und es geht immer um ein faires und konstruktives Miteinander. Ohne diese Grundvoraussetzungen ist eine vernünftige Zusammenarbeit unmöglich und bringt vor allen Dingen keinen Spaß. Ich bitte um Verzeihung, falls ich manchmal uneinsichtig, dickköpfig, fehlinformiert, vergesslich oder auch nur ein sturer Bauer und manchmal etwas zu direkt war, aber so war, bin und werde ich auch nach meinem Ausscheiden aus dem Dienst bleiben. Ich werde gerne an diese schöne Zeit zurückdenken und sie in guter Erinnerung behalten. Zahlreiche Freundschaften werden auch nach meinem Ausscheiden bestehen bleiben, ebenso ein weiterer Kontakt sowie zeitweilige Treffen.

Ich wünsche dem Verband ein ständiges Blühen, Wachsen und Gedeihen und zu guter Letzt: bleibt schön gesund und geht häufiger zum Angeln!

Dr. Dieter Bohn, Geschäftsführer im Ruhestand