Untersuchung zur natürlichen Vermehrung von Fischen im Westensee

Es ist April. Es ist kalt. Es ist windig. Von Norden her zieht bereits ein neuer Hagelschauer heran. Insgesamt sind das nicht die besten Voraussetzungen für eine mehrstündige Bootstour auf dem Westensee. Aber es hilft ja nichts. In wenigen Tagen wird der Erwerbsfischer Holger Rinck Maränenbrut aussetzen, und danach wird es nicht mehr möglich sein, den natürlichen Reproduktionserfolg dieser Art abzuschätzen. Also muss zumindest diese Befischung noch durchgeführt werden.

Bereits seit Mitte März kommt Anneke Dirks, die zurzeit ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr beim LSFV absolviert, regelmäßig an den Westensee um an sechs verschiedenen Stellen des Sees Planktonbefischungen vorzunehmen. Ein Ringnetz mit einem Durchmesser von einem Meter wird dabei nah unter der Oberfläche über jeweils 20 Minuten hinter dem Boot her geschleppt. Damit der Schraubenstrahl des Motors nicht zu einer Verfälschung der Ergebnisse führt, muss das Boot während der Probennahme ständig eine kreisförmige Bewegung ausführen. Aus der Ferne betrachtet kann das zu Zweifeln an der Fahrtauglichkeit des Schiffsführers führen. Aber die Methode ist erprobt und hat Erfolg. Bereits bei der zweiten Probenahme am 16. März gelang der Nachweis einer sehr jungen Maränenlarve. In den letzten Jahren war es unklar, ob sich die Große Maräne überhaupt selbstständig im Westensee vermehrt. Es gab zwar immer einen recht guten Bestand, aber man musste davon ausgehen, dass er sich unter Umständen ausschließlich aus den Besatzmaßnahmen rekrutiert. Nun wissen wir bereits, dass die natürliche Vermehrung zumindest einen Beitrag zum Bestandserhalt leistet. Wie hoch der ungefähr ist, wird sich vielleicht abschätzen lassen, nachdem die Maränenbrut besetzt worden ist. Ausschlaggebend wird sein, wie stark sich die Häufigkeit der Tiere durch den Besatz verändert. Aber natürlich spielt da auch eine Vielzahl anderer Faktoren eine Rolle, etwa die Nahrungsverfügbarkeit für die Larven oder der Anteil der Tiere, die gefressen werden oder anders auf natürliche Weise zu Tode kommen.

Mittlerweile konnte auch schon die zweite Fischart in den Planktonfängen nachgewiesen werden. Seit Ostern erobern die Larven der Quappe das Freiwasser des Westensees. Sie kommen deutlich häufiger vor als die Maränenlarven. Allerdings sind sie sehr ungleich über den See verteilt. Mit Abstand die meisten Tiere wurden vor dem Einlauf der Eider gefangen. Am 13.04. waren es gleich 96 Stück. Das entspricht einer Dichte von 13 Larven je 100 m3 Seewasser. Es liegt daher die Vermutung nahe, dass die Quappen sich zur Laichzeit im Bereich der Eidermündung gesammelt hatten oder die Eider sogar ein Stück weit hinauf gezogen waren.

Als nächstes ist mit dem Auftreten der Larven von Flussbarsch und Kaulbarsch zu rechnen. Hier wird es sehr interessant sein, in welchem Verhältnis die beiden Arten zueinander vorkommen. Zeitweilig gehört der Kaulbarsch  zu den häufigsten Fischarten im Westensee. Er stellt dann eine sehr wichtige Nahrungsquelle für die größeren Flussbarsche dar. Bezüglich der noch ganz jungen Flussbarsche wird diskutiert, ob sie durch den intensiven Fraß der etwas später schlüpfenden Cyprinidenlarven einen erheblichen Einfluss auf deren Bestandsentwicklung haben können.  Es sind durchaus Gewässer bekannt, in denen dies zu einem erheblichen Rückgang der Plötzen- oder Brassenbestände geführt hat. Auch hierzu können die Planktonbefischungen unter Umständen wichtige Hinweise liefern.

Bisher wurde die Planktonfischerei ausschließlich mit dem Ringnetz durchgeführt. Auf diese Weise erreicht man aber nur die Fischlarven, die im offenen Teil des Sees anzutreffen sind. Fischarten, deren Jungtiere sich hingegen überwiegend im Flachwasserbereich entwickeln, kann man so nicht fangen. Auf längere Sicht sollen daher ergänzende Befischungen im Uferbereich erfolgen. Dafür werden ein kleines Larvenzugnetz sowie diverse Handkescher verwendet. So steigen die Chancen, dass auch der Nachweis junger Lebensstadien von beispielsweise Hecht oder Steinbeißer gelingt. Aber dieser Herausforderung werden sich wohl erst die Nachfolger oder Nachfolgerinnen von Anneke stellen müssen.

Ermöglicht werden die Planktonuntersuchungen an unseren Binnengewässern durch eine Förderung aus der Fischereiabgabe des Landes Schleswig-Holstein. Im Rahmen eines Pilotprojektes an der Elbe wurde der Hegegemeinschaft Gewässersystem Nord-Ostsee-Kanal die Anschaffung der Fangausrüstung und der optischen Geräten zur Auswertung der Fänge finanziert. Hierfür möchten wir an dieser Stelle noch einmal unseren Dank aussprechen.