Fangstopp für Aal? Ein Standpunkt!

Vor einiger Zeit ging es um Dorsch und Lachs in der Ostsee, nun kommt vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES), wie bereits in den Vorjahren, die Empfehlung an die Europäischen Fischereiminister, den Aalfang komplett zu verbieten.

Natürlich müssen wir bedrohte Arten schützen. Und auch im Fall des Aales ist unser Verband immer bereit, faktenbasierte Gespräche zu führen und gegebenenfalls geeignete Schutzmaßnahmen umzusetzen. Aber die immer wieder angedrohten Maximalverbotsmaßnahmen demotivieren und zermürben diejenigen, die sich vor Ort mit den bedrohten Arten beschäftigen.

Bei unserem LSFV Schleswig-Holstein wird seit 2006 der Aalbesatz markiert und die Fänge akribisch ausgewertet. Wir überprüfen kritisch unser Handeln und wollen sicherstellen, dass unsere Besatzmaßnahmen wirklich nachhaltig sind. Unter anderem folgende Fragen stehen dabei im Fokus: Hat Aalbesatz überhaupt Sinn? Ist der Besatz mit Glasaalen oder mit Satzaalen effizienter? Wie entwickeln sich die Bestände? Wieviel Prozent des Bestandes stammen aus unserem Besatz? Diese Fragestellungen werden mit erheblichem Aufwand von den bei uns im Verband angestellten Fischereibiologen bearbeitet. Nur sehr wenige Institutionen verfügen über so ausgezeichnete Datenreihen zu den von ihnen bewirtschafteten Gewässern.

Mittlerweile können wir belegen, dass über 85 % der gefangenen Aale im Nord-Ostsee-Kanal oder im Elbe-Lübeck-Kanal aus unserem Besatz stammen. Folglich werden auch viele der abwandernden Laichaale aus unserem Besatz stammen.

Wir besetzen nur dort, wo die Fische abwandern können. Wir achten darauf, dass die Besatzgewässer eine sehr gute Eignung als Lebensraum für die Aale haben, so dass sie zügig abwachsen können. Da leider bundesweit viele Bäche und Flüsse verbaut sind, gibt es nicht mehr viele solcher Lebensräume für die Aale. Ein Aufstieg für die wenigen natürlich zuwandernden Glasaale ist in vielen mitteleuropäischen Flüssen nicht möglich – und selbst wenn sie es schaffen, werden sie einige Jahre später beim Abstieg in den Turbinen von Wasserkraftanlagen geschreddert.

Wenn der Nachzug von Glasaalen gering ist oder gar ganz wegfällt und wenn wir nicht gezielt in diesen für den Aal guten Lebensraum besetzen, dann kommen aus unserer Region keine Laichtiere mehr.

Der Mensch ist eigennützig! Natürlich wollen wir Angler Aale fangen. Aus den daraus resultierenden Einnahmen (Erlaubnisscheinverkauf, Fischereiabgabe) werden aber ganz viele Projekte für den Aal finanziert. Wer ermöglicht so Besatz und Forschung? Wer kümmert sich in ganz vielen Teilen unseres Landes um diese Art? Wer ist jeden Tag an Bächen, Flüssen und Kanälen präsent und bemerkt Fehlentwicklungen? Es sind die Angler!

Vergrämt man uns nach und nach aus unseren Revieren, bleiben weder dauerhaftes Engagement noch unsere finanziellen Mittel, um etwas für die Aalbestände zu tun. Geht es dem Aalbeständen in Schleswig-Holstein ohne Angler besser? Ich glaube kaum.

Man kann über vieles reden. Höhere Schonmaße, Schonzeiten, Tagesfangbegrenzungen und vieles andere mehr. Aber wo sind denn konkrete Forderungen, Wasserkraftanlagen abzuschalten in der Zeit, in denen Aale wandern? Wo ist die Forderung, endlich die Durchgängigkeit an Fließgewässern umzusetzen? Bei uns sind zahlreiche Gewässer und Sielzüge an der Westküste gepumpt, aber gerade beim Abstieg eben nicht durchgängig. Technische Lösungen dafür kann sich jeder Interessierte in Holland anschauen. Bei uns wird er lange suchen müssen.

Es gäbe also auch genug andere Ansatzpunkte für einen weitergehenden Schutz des Aales. Aber statt hier anzusetzen, erstickt man lieber jede sinnvolle Debatte mit den Akteuren vor Ort, indem man von vornherein einfach und immer wiederkehrend stumpf komplette Fangverbote einfordert. So kommt es nicht zu einem konstruktiven Miteinander, sondern nur zu verhärteten Fronten. Ich würde mir etwas mehr vernünftigen Dialog von allen Seiten wünschen.

Peter Heldt, LSFV Präsident