Phase III 2016-2022

Ab April 2016 begann die 3. Fortführung des Projektes Fischereiberatung in Schleswig-Holstein als Gemeinschaftsprojekt mit Mitteln der Wasserwirtschaftsverwaltung (40%) und Mitteln aus der Fischereiabgabe des Landes (60%) mit einer deutlich programmatischer ausgerichteten Aufgabenstellung. Seit dem 01.04.2020, seitdem das Projekt durch Marius Behrens, M. Sc., durchgeführt wird, hat sich die Aufgabenstellung leicht verändert. Nachfolgend werden Auszüge aus dem aktuellen Vertragstext aufgeführt:

A – Laufende und bedarfsorientierte Tätigkeiten:

  • einzelfallbezogene Fischereiberatung, auf Anfrage durch Angelvereine, Berufsfischer, Behörden und Verbände
  • Beteiligung an organisatorischen und verwaltungstechnischen Vorgängen beim LSFV
  • Beteiligung an WRRL-AG
  • Beratung von Angelvereinen und Berufsfischern bei Fragen zur Umsetzung von FFH-Managementplänen (z.B. am Ihlsee), nur auf Anfrage
  • kurze Aufnahme von Fischsterben und fachliche Beratung von Angelvereinen bei lokalen Gewässerverunreinigungen
  • Unterstützung des LLUR beim Datenmanagement und Unterstützung der Betreuung des digitalen Fischereirechtskatasters für SH
  • Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen im Bereich von Hege und Fischbesatz sowie der Hegeplanerstellung

B – Einzelaufgaben:

Zweck: In einigen Bächen sind Fischarten durch lange zurückliegende Belastungen verschwunden. Aufgrund der isolierten Lage oder der geringen Ausbreitungsmöglichkeiten gerade von Kleinfischarten besteht wenig Potenzial für eine zeitnahe natürliche Wiederbesiedlung, auch wenn die zurückgegangene stoffliche Belastung und das Habitatangebot durch strukturverbessernde Maßnahmen nun wieder einen dauerhaften Bestand dieser Arten ermöglichen würden.

Umsetzung: Durch das LLUR wurde eine Gebietskulisse von Gewässern erstellt, in denen Referenzarten wie Elritze, Schmerle und Groppe seit längerem fehlen. Wenn sich durch Maßnahmen in Gewässern neue Erkenntnisse für geeignete Gewässer ergeben, kann die Gebietskulisse erweitert werden. Es erfolgt eine konkrete Ansprache an die jeweiligen Fischereiausübungsberechtigen bzw. Hegepflichtigen, den künftigen Fischbesatz an den Referenzen der WRRL oder an eine naturnahe Zusammensetzung der Fischzönose auszurichten. Die Hegepflichtigen berücksichtigen die fehlenden Arten bei ihrer Besatzplanung; der Fischereiberater leistet fachliche Hilfe. Je nach Fischart erfolgt an ausgewählten Abschnitten ein Besatz, der bis zu zweimal, möglichst innerhalb von drei Jahren, wiederholt werden kann. Der quantitative Umfang des Besatzes ist an den morphologischen Bedingungen und potenziell zu erwartenden Verlusten, z.B. durch Prädation, auszurichten und soll den allgemein anerkannten Regeln der guten fachlichen Praxis beim Fischbesatz und insbesondere bei Wiederansiedlungsprojekten genügen.

Für die o.g. Besatzmaßnahmen sind Erfolgskontrollen unerlässlich. Diese werden vom LLUR in Zusammenarbeit mit dem Fischereiberater initiiert und koordiniert.

Insbesondere für Elritze, Schmerle und Groppe sind solche Wiederansiedlungsprojekte notwendig, z.T. auch für andere Arten, wie z.B. Bachneunauge und Quappe. Für den Besatz sind grundsätzlich regionale Quellen unter Berücksichtigung der genetischen Rahmenbedingungen heranzuziehen.

Die Planung der Maßnahmen soll in das über die Fischereiabgabe finanzierte Besatzprogramm „Fischhorizonte“ des Landes fachlich und finanziell integriert und bedarfsorientiert fortgeschrieben werden.

Ziel: Verbesserung des fischbiologischen Zustands durch Wiederansiedlung verschollener Referenzarten. Ohne diese Projekte würden die Arten weiterhin im Bestand fehlen und damit auch eine verbesserte Fischbewertung gemäß EU-WRRL be- bzw. verhindern.

Fachliche Auswertung der Informationen von Hegepflichtigen für mesotrophe Seen:

Zweck: Nährstoffarme Seen gehören zu den besonders schützenswerten Seen in Schleswig-Holstein. Diese Seen sind jedoch besonders empfindlich gegenüber unangepassten Bestandsgrößen wühlender benthivorer Fischarten, insbesondere des Karpfens, entsprechend sollte das fischereiliche Management dieser Arten auf die Schutzerfordernisse der Habitate ausgerichtet werden.

Umsetzung: Durch Auswertung vorhandener Unterlagen (Hegepläne etc.) sowie gezielte Ansprache der Hegepflichtigen an den mesotrophen Seen erhält der Fischereiberater Informationen zum Artenspektrum, dem Besatz und der Dominanz von Leitarten und potenziell konfliktträchtigen Arten (Karpfen, Brassen). Die Daten werden herangezogen, um eine Einschätzung des fischbiologischen Zustands vorzunehmen, sie geben Hinweise auf die potenzielle Rolle konfliktträchtiger Arten (Karpfen, Brassen) und die Aussichten möglicher seen-interner Biomanipulationsmaßnahmen. Sofern erforderlich, erstellt der Fischereiberater ein Hegekonzept, das auf die seeangepasste Veränderung des bisherigen Fischereimanagements abzielt.

Es erfolgt anschließend eine Beratung zum Fischereimanagement an den nährstoffarmen Seen hinsichtlich eines der Referenz angepassten Fischbesatzes mit dem Schwerpunkt der Förderung von Raubfischen und der Reduktion von wühlenden Fischarten, insbes. des Karpfens und Brassen sowie der Art der Befischung. Das LLUR Dezernat 43 benennt die mesotrophen Seen und führt eine Priorisierung durch. Für den Projektzeitraum werden vom LLUR bis zu drei Seen für diese Aufgabe benannt.

Ziel: Beratung von Hegepflichtigen an mesotrophen Seen, um ein gewässerangepasstes und nachhaltiges Fischereimanagement zu fördern. Dieses orientiert sich an der Referenz und beachtet ebenso die Belange der Hegepflichtigen.

Beratung bei der Maßnahmenplanung in Bezug auf fischökologische Belange und Unterstützung bei deren Funktionskontrolle

Zweck: Einzelfallbezogene Beratung bei der Planung von hydromorphologischen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit und zur Verbesserung der Gewässerstrukturen in Bezug auf fischökologische Belange.

Umsetzung: In Abstimmung mit dem LLUR nimmt der Fischereiberater auf Anfrage durch Angelvereine, Berufsfischer, Behörden und Verbände Stellung zu geplanten hydromorphologischen Maßnahmen einschließlich der Maßnahmen zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit in Bezug auf die fischökologischen Anforderungen. Dabei sind alle Arten der für die Bewertung nach Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) erstellten Fischreferenzen und FFH-relevanten Arten zu berücksichtigen. Zu den Aufgaben gehört es u.a., die Anforderungen für die Fische zu beschreiben, zu vermitteln und fachliche Hinweise für eine Optimierung der Maßnahmenplanung zu geben.

Zudem unterstützt der Fischereiberater die Durchführung von Funktionskontrollen der Maßnahmen für Fische und Neunaugen hinsichtlich der Ziele der WRRL und FFH-Richtlinie.

Ziel: Ziel ist die Maßnahmenumsetzung in Hinblick auf die Zielerreichung gemäß WRRL für die Qualitätskomponente Fische und der FFH-relevanten Arten zu optimieren und bei der Maßnahmenplanung fachliche Unterstützung zu geben.

Öffentlichkeitsarbeit

Zweck: Fischereiausübende können von den Erfassungen, Bewertungen der WRRL und den Renaturierungsmaßnahmen profitieren und ggf. ihre fischereiliche Hege anpassen bzw. fundierter gestalten. Die Informationen aus den Monitoringaktivitäten nach WRRL, FFH und weiteren Vorhaben gelangen durch die Tätigkeiten des Fischereiberaters an die Fischereiausübenden. Dies stellt eine wichtige Aufgabe dar. Neue Erkenntnisse und Ergebnisse aus den Monitoringaktivitäten und weiteren Vorhaben müssen fortlaufend an die Fischereiausübenden kommuniziert werden. Dadurch können Monitoringaktivitäten des Landes entsprechend wertgeschätzt werden.

Umsetzung: Die Darstellung und Vermittlung der Ergebnisse des Fischmonitorings im Auftrag des Landes und ggf. begleitende Aktivitäten an den Gewässern können durch den Fischereiberater addressatengerecht vorgenommen werden.

Ziel: Über die Webseiten des LSFV werden mehr als 50.000 Angler informiert und zur aktiven Mitarbeit angeregt; ferner erfolgt eine Weitergabe von Informationen auf lokaler Ebene im Rahmen laufender Kontakte zu den Hegepflichtigen.